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Krähenflügel

Die Silberkrähe über der Nahe - Frank Herzog fotografierte sie aus einer DO 27


Die meisten, die einen Flugschein besitzen, hegen auch mal den Gedanken an ein eigenes Flugzeug. Die wenigsten können sich diesen Traum erfüllen.

Auch ich habe mal meinem LPC-Kollegen Karl-Bernd Bockstahler die Frage gestellt: "Wann kaufen wir beide uns denn unseren Bausatz?" Mitte der 90er Jahre war das, und Flugzeug-Bausätze ganz groß in Mode...

Und irgendwann liest man eine Anzeige: Einmot, Piper-Cub-Nachbau, ideal zum Scheinerhalt, gar nicht so teuer. Erst bringt uns diese Lektüre ins Schleudern, dann folgt die Euphorie, denn wir kaufen die Maschine. Bernd flog damals normalerweise King Air, ich hatte auch schon eine Reihe verschiedener Typen in der Sammlung... was soll's also!

Hm... Nur: die D-EFVA, genannt "Silberkrähe", stand östlich des Chiemsees, also nicht gerade um die Ecke. Und flugfertig ist sie auch nicht. Was tun? Wir beauftragen einen Fachmann, sie zu checken, eine neue Batterie einzubauen und sonstige Kleinigkeiten zu erledigen.

Bernd Stralka, der Tollkühne... Er fliegt die Silberkrähe als erster, 1996

Fragt sich, wer sie abholt. Weder Bernd noch ich haben Spornrad-Erfahrung. Ein Kamerad aus Egelsbach aber erklärt sich bereit: Bernd Stralka. Wir drei fliegen mit einer Mooney runter, ziehen das Fliegerchen aus der Halle, Bernd schlüpft rein, läßt den Motor an und rollt ans Ende der kurzen Startbahn. Ich hatte erwartet, er würde sich mit diesem unbekannten Flugzeug erst einmal vertraut machen. Aber nein: Er startet sofort... Respekt, Bernd!

Wir sind knapp drei Stunden später über Einflugpunkt Echo östlich Egelsbach verabredet. Da soll Bernd auf uns warten, denn die Krähe hat damals noch keinen Funk. Wir lassen uns also Zeit in Bayern, treffen zur verabredeten Zeit über Echo ein, sehen auch Bernd mit unserem Fliegerchen, landen gemeinsam.

Nur: Bernd ist ziemlich sauer, denn er hatte schon eine dreiviertel Stunde gewartet und gekreist. Die Krähe ist also viel schneller als errechnet und in den Büchern angegeben...

Nun steht sie in Egelsbach, hat dort für einige Wochen Asyl. Ein anderer Fliegerkamerad, Udo Theis, fliegt sie dann weitere hundert Kilometer nach Westen, nach Bad Sobernheim. Dort haben wir in der Zwischenzeit einen Stellplatz gefunden, was im Rhein-Main-Gebiet ja nicht selbstverständlich ist.

Nun ja. Wir, Bernd Bockstahler und ich, besitzen also ein Flugzeug, das keiner von uns beiden bislang fliegt. Die Sitzposition: fürchterlich! Muß unbedingt umgebaut werden. Was tun? Unsere Freude währt nicht lange. Wir wollen eigentlich fliegen, und nicht schrauben.

Die arme Krähe steht also ein weiteres Jahr rum, diesmal aber nicht im Bayerischen, sondern an der Nahe... Wir inserieren sie, wollen uns schweren Herzens wieder von ihr trennen, aber niemand hat Interesse. Klar: Für Flugzeug-Selbstbauer gibt es nicht mehr genug zu tun, und für Piloten, die nur fliegen wollen, ist noch zuviel Arbeit... Wir haben die Nase ziemlich voll, denn diese Maschine hat uns bislang nur Geld und Nerven gekostet.

Hans-Udo Hellrigel, vor seiner Piper Tripacer von 1957

Bis sich ein Sobernheimer Fliegerkamerad die Maschine mal etwas näher ansieht: Hans-Udo Hellrigel. Er ist von Hause aus Ingenieur und Leiter des Luftfahrttechnischen Betriebes Rheinland-Pfalz. Nun, meint er, der Flieger sei eigentlich gar nicht übel, nur für zwei Personen nicht geeignet. Man müßte ihn zu einem Einsitzer zurückbauen. Er würde mir dabei helfen...

Erst daraufhin fasse ich wieder ein wenig Mut. Bernd ist - glaube ich - recht froh, als ich ihm seinen Anteil abkaufe. Da bin ich jetzt also Alleinbesitzer eines Flugzeuges, das ich nicht zu fliegen verstehe.

Zwei Jahre dauert es noch, dann ist die Krähe umgebaut. Meine Krähe! Ein Einsitzer - nein, ein - Monoposto...! -, der Platz bietet wie ein Fernsehsessel, sich sehr schön und gutmütig fliegt und ein richtiger Freund ist. 1999 schreibe ich die Geschichte dieser historischen Maschine für den aerokurier auf.

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