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Beim ZDF

Unvergessene(s) 1987-heute

Ein guter Rat...

... ist bekanntlich viel wert und kann wie in meinem Fall ein Berufsleben völlig umkrempeln. ZDF-Chefredakteur Reinhard Appel hat 1987 meine Bewerbung "in Umlauf" gebracht, und irgendwann bekomme ich einen Vorstellungstermin bei seinem Stellvertreter, der sich zu dieser Zeit um Personalangelegenheiten kümmert, bei Rudolf Radke. Der holt mich erst einmal auf den Boden der Realität zurück. Eine Festanstellung könne er mir nicht anbieten, meint er, meine Unterlagen sähen gut aus, aber ich hätte keine Ahnung von Fernsehen, und das Risiko sei ihm zu groß. Was er mir vorschlagen könne, sei ein Job als freier Mitarbeiter in der Nachrichten-Redaktion. Hm... Vom Zeitungsredakteur mit Auslandsstipendium zurück zum Kohlentrimmer? Ich komme ganz schön ins Schwimmen in diesem Moment. Aber dann treffe ich Reinhard Appel auf dem Gang, in Eile auf dem Weg zur mittäglichen Schaltkonferenz. Ich schildere ihm kurz mein Dilemma und bitte ihn um seinen kollegialen Rat. Was würde er an meiner Stelle tun? Er überlegt nur kurz und meint dann: "Ich würde es an Ihrer Stelle machen. Ihnen traue ich es zu." Wenige Wochen später trete ich meinen Dienst in der heute-Redaktion an. Danke, lieber Reinhard Appel, für einen guten und kollegialen Rat...
(Reinhard Appel verstarb im Juni 2011.)

Vorbild und Freund

Leiter der Redaktion "Diese Woche" ist in den 80er Jahren Hans-Joachim Platz, genannt "Jochen". Er hatte ein bewegtes Leben hinter sich, politisch und journalistisch; u.a. war er der erste Israel-Korrespondent des ZDF. Auf den Posten des Wochenrückblick-Chefs fühlte er sich abgeschoben. Für eine ganze Menge junger Kollegen (mich eingeschlossen) aber wird Jochen Mentor und Freund. Seinen Rat drängt er nicht auf, ist aber immer mit großer Kompetenz da, wenn man ihn braucht. Und für seine Großzügigkeit ist er bekannt, auch was Arbeitszeiten anbelangt. Seine Satz bleibt unvergessen: "Du wirst hier für Deinen Kopf bezahlt, nicht für Deinen Hintern...". Man nutzt so etwas nicht aus... Viele aus Jochens Schule machen später vor der Kamera Karriere. Er verstirbt Anfang der 90er Jahre. Mir fehlt er seitdem...

Urbi et Gorbi...

Venedig 2008... es geht um Klimapolitik

...nein, eigentlich müßte man sagen: la Serenissima e il Presidente... Es ist im Oktober 2008, daß sich eine bemerkenswerte Einladung aus den Höhen der Geschäftsleitung hinunter verirrt zum Redakteur JM. Na ja, irgendwie klappte es bei den leitenden Kollegen nicht, aber man wollte diesen Termin auch nicht unbesetzt lassen. Immerhin hatten das "World Political Forum" (ins Leben gerufen von Michail Gorbatschow) und der "Club of Rome" nach Venedig eingeladen, um mit führenden Medienvertretern aus der ganzen Welt über die Frage zu sprechen, was eben diese Medien im Rahmen der Klimadebatte für die Rettung eben dieser Welt tun können. Das ein Jahr vor der COP-15-Konferenz, also vor Kopenhagen.

Ich gebe zu: Ich habe keine Sekunde gezögert zuzusagen. Sicher, ich bin kein leitender Medienvertreter, aber von der Materie verstehe ich schon ein bißchen was... Es kommt genau so, wie ich es erwartet habe: Zwei Tage lang Podien und Diskussionen, Erklärungen und Bekundungen, vom dänischen Kollegen Steffen Kretz und von mir auch Tacheles... ansonsten etwas, das man eher der diplomatischen Welt zurechnen darf. Eine interessante Erfahrung. Nicht nur, daß man sich gemeinsam auf einem Podium wiederfindet mit Michail Gorbatschow, nicht nur, daß einem klar wird, daß die dänischen und die deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten weltweit (!) führend sind in ihrer Umwelt-Berichterstattung, dem Umfang und der Tiefe nach... man erfährt auch hautnah, daß jenseits unserer Grenzen das uns Aufregende deutlich entspannnter, naiver (?) erlebt und gesehen wird. Man beginnt zu zweifeln, an Vielem.

Auf dem Weg nach San Servolo

Und trotzdem: Da kommen Direktoren, Chefredakteure und Intendanten aus der ganzen Welt zusammen, um sich auf Einladung eines der vormals mächtigsten Politiker dieser Welt über deren Zukunft zu unterhalten... Vielsprachig... Mein Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch gebrauche ich gleichermaßen, es tut richtig gut, ich liebe solches Babylon. Nur als ich neben Karen Karagesian, seit vielen Jahren quasi die rechte Hand Gorbatschows, in einer Gondel sitzend mich auf die Klosterinsel San Servolo zum Abschluß der Tagung transportieren lasse, muß ich mich neidlos verneigen: Meine vier Sprachen beherrscht der mit links, bei ihm kommen noch die ganzen slawischen hinzu... Wie auch immer: Der spachlichen Geschicklichkeit entspricht auch eine lebensweltliche, um nicht zu sagen - geschäftliche. In Venedig treffen Idealismus, Tagungs-Routine, NGO-Professionalität und Prominenz zusammen. Viele bunte Teilnehmer an einem großen Spiel. Aber das war ja immer schon so in Venedig: In der Serenissima ist allein schon die Geste bedeutungstragend...
Venedig4 Venedig5

In der Bütt...

Neustadt Büttenrede 1

... ist die Sicht auf die Welt eine besondere... Eine Ehre, wenn man vor ein paar hundert Narren antreten darf, um sie zum Lachen zu bringen, natürlich auch, um mit so manchem eigenen Unwohlsein abzurechnen. Fasnet 2010: Neustadt im Schwarzwald. Die Stadt, die gerne die meisten ihrer Häuser in Gelb sähe - "Hello Yellow". Die Stadt, über die eine Kollegin in einem ZDF-Beitrag formulierte, sie wäre die "häßliche Schwester" von Titisee. Das hat dort für einige Aufregung gesorgt. Roland Weis, altgedienter Neustädter Gemeinderat und Narrenoberer, Schriftsteller und alter Südkurier-Kollege, er erzählte mir davon im Sommer 2009. Und, daß das ZDF derzeit in der Schwarzwaldstadt nicht sonderlich gern gesehen sei... "Das kriegen wir hin", sagte ich ihm. Er solle mir mal zehn Minuten beim nächsten Kappenabend besorgen... Dann haben wir beide das alles wieder vergessen. Bis es dann langsam ernst wurde mit den Planungen. Klar, man steht zu seinem Versprechen, auch wenn es Mühe macht. Aber es macht auch Freude... Meine erste (hoffentlich nicht letzte) Büttenrede... Da darf man's den Leuten einreiben, da darf man abrechnen, da darf man das Abstruseste durchdeklinieren... Warum nicht hunderttausend gelbe Atommüllfässer aus der Asse im Titisee endverklappen...? Hello Yellow...! Und die Liberalen, die Gelben, kriegen auch ihr Teil... Roland, das war doch 'ne gute Idee! Narri - Narro!

Neustadt Büttenrede 2 Neustadt Büttenrede 3